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dezember 3 |
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jede zufluchtsstätte der vergangenheit |
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Als er aufstand war es bereits hell hinter seinen Vorhängen. Die Sonne schien und von außen vernahm er das beruhigende Zwitschern der Vögel. Es war Frühling geworden, der zwanzigste Frühling, und er hatte nichts davon gemerkt. Wer Vorhänge hat, spürt nicht die Sonne. Wer Sorgen hat, spürt nicht den Frühling. |
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Er zog den Vorhang nun vollständig auf und er spürte die Sonne. Er spürte den Frühling und wie der ganze Raum plötzlich von Licht erfüllt wurde. Und wie alles in diesem Raum glänzte, alles, mit Ausnahme eines Gegenstandes. Ein Gegenstand, der von einer Staubschicht bedeckt war. Der von einem Tuch geschützt wurde. Warum nur schützte sein Herz das Gedächtnis? Hat sein Herz das verdient? Sollte für diesen einen, alten Gedanken, sein ganzes Herz geopfert werden? Für einen Gedanken, der ihm schon lange nichts mehr bedeutete? |
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Als er das Fenster öffnete, und der Wind lautlos und unsichtbar sein Zimmer betrat, war es, als würde mit dem Fenster auch sein Herz geöffnet. Diese Leichtigkeit, mit der der Wind von einer Sekunde auf die andere sein Zimmer ausfüllte und seine Tulpenvase zum Leben erweckte. Wie er seine Bettdecke bewegte und sanft, aber bestimmt, die Tür schloss. Ein alltägliches Schauspiel, das für ihn heute eine ganz besondere Bedeutung hatte. Er beobachtete lange die Blumen, wie sie tanzten, ohne Musik. Die Vorhänge, die Bettdecke, die von einer unsichtbaren Kraft bewegt wurden und wie lebendig wirkten. Und er beobachtete das Tuch. Das Tuch, das nun schon viele Jahre dort hing und niemals verschwinden wollte. Wie es sich langsam erhob und sich still von dem Rahmen verabschiedete. |
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Und als er sah, wie das Tuch, unsichtbar getragen, auf ihn zuschwebte; wie der Rahmen stumm stehen blieb und sich nicht regte, wie unbekannt ihm die Frau geworden war, wie fremd die Erinnerung, da war es, als würde sein Herz wachsen und sein Gedächtnis leise sterben. |
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(C) Martin Cordsmeier, www.co-me.info |
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