juni 29
stimmung: konstant

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das geheimnis des außerordentlichen menschen
ist in den meisten fällen nichts als konsequenz.
(buddha)

Was bedeutet es, wenn die Welt aus Variablen besteht? Warum kann ein Mensch an einem Tag eine Meinung vertreten, die er am nächsten widerruft, und es beschwert sich Niemand?

Vielleicht ist es heute normal geworden, eine Variable zu sein. Es ist notwendig geworden, in einer variablen und vielseitigen Welt. In der es tausend Möglichkeiten gibt und jeden Tag eine mehr. In der es nicht nötig ist, sich die Strapazen einer langen Beziehung zuzumuten, wenn man doch problemlos die nächste anfangen kann. In der man Autos, Häuser, Städte, Berufe, Ansichten und Freunde auswechselt, weil genug da sind?

Derartige Variablen verhalten sich wie ein kaputtes Spinnennetz. Irgendwann berührt man sich, verläuft vielleicht sogar eine Zeit lang parallel und dann wieder auseinander, ohne etwas zu hinterlassen. Die nächste Querverbindung wartet bestimmt. Partner werden zu Durchlaufstationen.

Und was ist mit den Konstanten? Die wohl bedauerlicher Weise nur in einer sehr geringen Anzahl existieren? Und die den unbestreitbaren Vorteil haben, verlässlich zu sein. Und langweilig, aus Sicht der Variablen. Todlangweilig. Denn sie machen heute dasselbe wie morgen. Und gestern. Und stehen dazu.
Sie zeichnen gerade Linien durch das ewige Spinnennetz. Und finden sich zwei Konstanten in der Realität, so passen sie -natürlich- nicht notwendiger Weise zusammen. Und werden es auch nie, was den Unterschied darstellt. Sie laufen vielleicht nebeneinander her, aber eben doch mit einem Unterschied im Winkel. Und ein abweichender Winkel von einem Prozent führt dazu, dass man sich am Anfang annähert, bis man komplett zusammen ist, und sich dann wieder von einander entfernt.

Wo in diesem wirren und komplexen System lassen sich Seelenfamilien finden? Wohl da, wo zwei Linien exakt parallel verlaufen. Sie müssen sich nur finden und sie werden und können sich nicht von einander entfernen. Das ist anstrengend und schwierig und wird immer schwieriger. Wie oft sind Mauern zwischen Ihnen, die ihnen die Sicht versperren. Und viele wirre Linien. Auf die man nicht hören darf, um nicht zur Variablen zu werden.

Doch auch diese können umgekehrt zu Konstanten werden. Wenn sie den tiefen inneren Willen haben. Oder wenn sie nur dazu gezwungen wurden, Variable zu sein und dies eines Tages merken.

Was aber hat eine Konstante von ihrem langweiligen Leben, das geradeaus verläuft, bei dem man weit zurück schauen kann. Und dies auch gerne tut, denn man bereut nichts. Bei der man auch noch vorn schauen kann. Und dies gerne tut, denn einem kann innerlich nichts passieren. Man hat sich selbst. Eine innere Ruhe. Man kann sich auf sich verlassen. Und wer einmal eine zweite Konstante gefunden hat, die neben einem verläuft, hat sicher das Wertvollste gefunden, was dieses System bieten kann.

Den Wert der Beständigkeit zu schätzen, ist etwas, was nicht mehr in diese Welt passt. Eine Beständigkeit im Denken, Fühlen und Handeln. Deren innere Ruhe führt zu

Zufriedenheit

...in diesem Wort steckt "Friede".

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(C) Martin Cordsmeier, www.co-me.info