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Was bedeutet es, wenn die Welt aus Variablen besteht? Warum kann ein Mensch an einem Tag eine Meinung vertreten, die er am nächsten widerruft, und es beschwert sich Niemand?
Vielleicht ist es heute normal geworden, eine Variable zu sein. Es ist notwendig geworden, in einer variablen und vielseitigen Welt. In der es tausend Möglichkeiten gibt und jeden Tag eine mehr. In der es nicht nötig ist, sich die Strapazen einer langen Beziehung zuzumuten, wenn man doch problemlos die nächste anfangen kann. In der man Autos, Häuser, Städte, Berufe, Ansichten und Freunde auswechselt, weil genug da sind?
Derartige Variablen verhalten sich wie ein kaputtes Spinnennetz. Irgendwann berührt man sich, verläuft vielleicht sogar eine Zeit lang parallel und dann wieder auseinander, ohne etwas zu hinterlassen. Die nächste Querverbindung wartet bestimmt. Partner werden zu Durchlaufstationen.
Und was ist mit den Konstanten? Die wohl bedauerlicher Weise nur in einer sehr geringen Anzahl existieren? Und die den unbestreitbaren Vorteil haben, verlässlich zu sein. Und langweilig, aus Sicht der Variablen. Todlangweilig. Denn sie machen heute dasselbe wie morgen. Und gestern. Und stehen dazu. Sie zeichnen gerade Linien durch das ewige Spinnennetz. Und finden sich zwei Konstanten in der Realität, so passen sie -natürlich- nicht notwendiger Weise zusammen. Und werden es auch nie, was den Unterschied darstellt. Sie laufen vielleicht nebeneinander her, aber eben doch mit einem Unterschied im Winkel. Und ein abweichender Winkel von einem Prozent führt dazu, dass man sich am Anfang annähert, bis man komplett zusammen ist, und sich dann wieder von einander entfernt.
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