januar 10
stimmung: vorbildlich

>>restart

immer wenn man die meinung der mehrheit teilt
ist es zeit, sich zu besinnen
(mark twain)

nachts ist alles anders. man macht genau das was man möchte. liegen. nicht mehr. sobald man erwacht, ändert sich der mensch.

er richtet sich von nun an nicht mehr nach sich. nach allem anderen, nur nicht nach dem, was in ihm ist. und so gibt es wieder die unterschiede, die ein theoretisches individuum ausmachen.

hier die idolhörigen. sie haben sich eine person vorgenommen, die von nun an ihr vorbild sein soll. beeindruckend dabei ist die tatsache, dass diese idole meist genau die fähigkeiten haben die der hörige selber bei sich vermisst. anstatt sich auf seine fähigkeiten zu konzentrieren, versucht er, sich die eines anderen anzutrainieren.

dort die hüllen. sie haben das vakuum erfunden und ruhen sich nun auf dieser lorbeere aus. denn sie haben keine eigenschaften. und dennoch wird man niemals an ihnen vorbeikommen. denn hüllen sind laut. sie sagen zu jedem thema etwas. doch hört man genauer hin, merkt man, was letztendlich greifbares aus ihnen herausgekommen ist: nichts. vakuum eben.

die unsichtbaren sind so lange uninteressante gesellen, bis man bemerkt, dass es sie gibt. die eltern haben bei all den "kleinen schlägen auf den hinterkopf, die ab und zu mal sein müssen, damit das Kind wieder normal wird" (auch erziehung genannt) vergessen, dass sie nicht unbedingt eine kopie der gesellschaft vor sich haben müssen. so fristen die unsichtbaren ein trauriges dasein, jammern und hoffen, dass niemand etwas von ihnen will. die vielen talente die in ihnen stecken, befinden sich in einem langen schlaf. doch wenn sie tatsächlich einmal erwachen, sind sie voller energie.

schubladendenken. aber achtzig prozent der menschen gehören zu einer dieser gruppen. erfolgreiche geschäftsleute, zu denen wir aufgeblickt haben. niemand fragt, was aus ihnen geworden ist, als sie nicht mehr in der zeitung standen. oftmals waren es hüllen.

andere haben echten erfolg. doch meist hatten sie lehrer. ihre idole. sie führen ein schönes leben. doch leben sie im prinzip nicht ihres, sondern die kopie eines anderen.

interessant sind vor allem die aufgewachten unsichtbaren. oft außenseiter, wenn auch prominente. intellektuelle. oder exzentriker. sie mussten unsichtbar bleiben, denn die masse hätte sie ausgegrenzt. und sind doch erwacht um sich zu verwirklichen. offiziell gibt es nicht viele von ihnen. doch wie viele schlafen noch?

lohnt es sich nach ihnen zu suchen? fahren wir ans meer. wer einmal an einem kalten abend vom wald auf das meer geschaut hat, der kennt diese besondere stimmung. dieses gefühl suchen die unsichtbaren. das leise rauschen, ein undefinierbares geräusch. man hat keine gedanken an diesem ort. es sind ausformulierte gefühle. vielleicht erkennen viele am wasser, wie lange sie unsichtbar waren. und wundern sich darüber, wie belebt der eben noch verlassene strand nun plötzlich ist.

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(C) Martin Cordsmeier, www.co-me.info