januar 1
stimmung: wechselhaft

>>restart

äußere einflüsse können den hebel bewegen.
aber es gibt viele dinge, die sie davon abhalten.

karoline ist glücklich. das denkt jeder, der sie sieht. selbst ihre besten freundinnen. sie erfüllt das abziehbild einer zufriedenen frau mit mann, kind und haus.
und sie hat panische angst, dies alles zu verlieren.
wie soll jemand oder etwas an ihren gefühlshebel kommen? er steht auf mittel. er ist gesichert. er befindet sich hinter stahltüren und in ketten. nur einer kann hier noch durch. der zufall.
manchmal, wenn sie am morgen erwacht, fühlt sie sich einfach glücklich, obwohl sich nichts geändert oder ereignet hat, wie immer. sie fühlt sich toll und könnte die ganze welt umarmen, was sie aber nicht tut, weil die welt sie gleichfalls umarmen könnte.
an einem anderen morgen fühlt sie sich einfach mies. obwohl sich nichts geändert oder ereignet hat, wie immer. sie weiß nicht warum und sie kann nichts daran ändern. ihr mann wird darunter leiden, doch kennt er das schon.

alles geht seinen gewohnten gang. alles wirkt perfekt.
bis das opfer explodiert.

franziska ist glücklicher. glücklicher als vorher. doch niemand ist richtig überzeugt davon. sie selbst schon gar nicht. sie fühlt sich so oft hin- und hergerissen. diese unsicherheit will sie nicht wahrhaben. sie hat entscheidungen getroffen und die waren richtig. alles andere würde ihre neue welt ins wanken bringen.
job? ihren alten job hat sie doch nie wirklich gemocht. sie hat endlich das gefunden, was ihr spaß macht.
auch die neue umgebung ist so, wie sie es sich gewünscht hat. eine schöne stadt, nette menschen, wohnung war nie ein problem.
wo ist hier die unsicherheit?
jeder mensch ist bekanntlich komplett anders.
der eine trifft eine entscheidung im beruf, legt sich fest, fühlt sich wohl, wie franziska. der andere springt unaufhörlich hin und her, auf der suche nach neuem.
der eine trifft eine entscheidung im privaten, legt sich fest, fühlt sich wohl. was ist mit franziska? hat sie das private vergessen, weil im moment doch sonst alles perfekt ist? sie war nie wirklich glücklich im beruf, war sie denn im privaten wirklich glücklich? und ist sie es jetzt? ist es möglich, einfach alles, privat und beruf, komplett zu ändern. nichts vertrautes würde bleiben! darf sie eine neue beziehung eingehen, soll sie bei der alten bleiben? und wie lange hält die dann noch?
muss sie noch mehr entscheidungen treffen?
tausend fragen, sie spricht mit tausend menschen, jeder sagt etwas anderes, sie weiß am ende gar nichts mehr.

alles wird anders. für einen außenstehenden wirkt es perfekt.
bis plötzlich alles weg ist.

daniel wirkte nie glücklich. immer wollte er etwas anderes, als das, was er hat. er ist ein träumer und träumer fühlen sich unverstanden. einfach nachdenken, das ist etwas, was nicht mehr in unsere welt zu passen scheint. es wird soviel geredet, dass zum nachdenken keine zeit bleibt. aber obwohl er schon seinen job, seine frau, seine freunde und sein ansehen verloren hatte, er konnte nicht aufhören zu denken. und im grunde wollte er das auch gar nicht...
Sehr negativ wirkt seine stimmung, wenn er nachdenkt. doch das ist sie nicht. es ist seine art, hoffnung auszudrücken. er dachte nicht in der überzeugung, dass, wenn alle so denken würden, die welt ein besserer ort wäre. er mochte die welt. nur zwei fragen beschäftigten ihn: könnte sie nicht noch besser sein? und ist er tatsächlich der einzige…?
es gibt zwei ansichten über daniel.
die einen sagen, er könnte den erwünschten "perfekten" zustand nie erreichen. darum muss er unglücklich sein.
die andere aber haben erkannt, dass er dadurch zwar nie komplett glücklich aber immer glücklicher wird. mit jeder stufe, die er geschafft hat, fühlt er sich besser. und besser als die meisten anderen menschen.
aus seiner sicht müsste also alles wunderbar sein. doch auch er hat ein problem. die anderen. die, die ihn doch angeblich so wenig interessieren. er ist ständig auf der suche, die immer erfolglos verläuft. auf der suche nach gleichgesinnten, menschen wie ihn. vielleicht findet er einmal so jemanden. doch kann er sich sicher sein, dass der überhaupt dasselbe will wie er? glücklich sein?

eine ständige entwicklung, für dritte nicht zu begreifen.
bis .... wie soll man das wissen?

es gibt  viele gründe, die den gefühlshebel dem zufall überlassen.
viele könnten ihn einfach auf glück stellen, denn die vorraussetzungen sind da.
karo hat wohl nie erfahren, was glück eigentlich ist. “mittel” ist daher dasselbe für sie. einige zufällige hochstimmungen und tiefstimmungen gibt es, über die sie gar nicht weiter nachdenkt.

franziska weiß nie, ob und wie sie glücklich ist. sie fühlte sich manchmal glücklich und zwar komplett. doch sobald dieser zustand vorbei ist, geht sie davon aus, dass sich die situation geändert hat. dabei ist es nur der moment. sie kann nicht den himmel betrachten, nur einzelne sterne. würde sie das tun, hätte sie sicher wunderbare aussichten. so aber liegt es am zufall, wann er ihr schöne momente schenkt.

daniel befindet sich ständig auf dem weg glücklich zu werden, wodurch er niemals glücklich sein kann. er fühlt sich wunderbar, doch ist er abhängig von anderen. wann kommt ein mensch, der ihn seinem ziel ein sehr großes stück näher bringen könnte? und wie wird dieser mensch dann handeln?
diesen zufall kann er beeinflussen. aber er hat den gefühlshebel leider nicht allein in der hand...

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(C) Martin Cordsmeier, www.co-me.info